Die Inhalte des aktuellen Hefts in der Übersicht

Alle Infos aus dem aktuellen Heft der A&W finden Sie hier im Überblick. Freuen Sie sich auf viele spannende Artikel und Reportagen rund um Architektur und Wohnen!

AW 06/19

Kennen Sie dieses Gefühl? Sie wandeln durch eine berühmte Großstadt und machen Fotos von einer Sehenswürdigkeit. Und während Sie auf dem Bildschirm den richtigen Ausschnitt suchen, erscheint ein Mensch im Bild. Nein, kein Tourist auf der Straße, sondern jemand, der auf einen Balkon tritt, vielleicht sogar im Morgenmantel, genau dort, wohin Sie die Kamera richten? Schon als Kind fand ich es aufregend, mir auszumalen, wer eigentlich die Bewohner sind, die direkt neben Sehenswürdigkeiten leben. Wer wacht täglich mit Blick auf den Eiffelturm, die „Elphi“ oder das Empire State Building auf? Sind diese Leute glücklicher, weil sie quasi rund um die Uhr Urlaubsmomente haben? Oder unglücklicher, weil sie sich mit Klopapier und Einkaufstüten den Weg durch verdutzte Touristenmassen bahnen müssen? Vielleicht lässt man in diesen Wohngegenden aber auch einfach alles von Bediensteten erledigen. Dass Menschen, die in bester Lage leben, viel Geld haben müssen, ist unbestritten. Die weltweiten Immobilienpreise haben sich in den vergangenen Jahren laut der Immobilienberatung Knight Frank vervielfacht: In den teuersten Städten der Welt, Hongkong und Monte Carlo, bekommt man für eine Million US-Dollar in Bestlage 16 bzw. 22 Quadratmeter, in Berlin hingegen 73. Das erklärt zum Teil den Run ausländischer Investoren auf deutsche Immobilien. Interessanter finde ich in dem Zusammenhang die Feststellung des Architekten Adrian Smith, der das Burj Khalifa, das höchste Haus der Welt, plante: „Natürlich gibt es Menschen, die in solchen Superlativen wohnen wollen, aber Geld verdienen sie erst, wenn sie eine Immobilie mit Blick darauf verkaufen können.“ Nie hätte ich mir als Kind vorstellen können, dass ich mal in Hamburg und München in Toplage leben würde. Wobei, was heißt das schon? In Bayern wohne ich zwar an der sehr begehrten Münchner Freiheit, die aber von einer vierspurigen Ausgangsstraße durchkreuzt wird. Dort konnte ich die Feinstaubdebatte als Versuchskaninchen miterleben: Als Architekturstudent wischte ich noch wöchentlich Rußreste von den Regalen, inzwischen reicht das alle 14 Tage. Auch der Verkehrslärm hat abgenommen. Ich bete für einen Boom bei E-Autos! In Hamburg wohne ich noch zentraler. Innenstadt, Shoppinglage! So toll das ist, aber es handelt sich um ein Geschäftshaus. In den ersten Monaten bin ich nachts bei jedem Geräusch fast aus dem Bett gesprungen vor Angst. Heute genieße ich leere Straßen, meinen Schaufensterbummel erledige ich abends beim Joggen. Mit den Einkaufstüten falle ich nun wirklich nicht auf. Nur der Tiefgaragenplatz hätte mein Budget gesprengt. Und wenn ich samstagmorgens auf dem Balkon stehe, im Bademantel, mit einem Kaffee, und unten auf der Straße zückt jemand das Handy, muss ich über ein seltsames Gefühl lachen. Mit einer Art Revierverhalten denke ich mir: Was macht der Typ in meinem Vorgarten? Angenehme Lektüre!